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Internet? Zum Vergessen.

Viktor Mayer-Schönberger hat ein Buch darüber geschrieben, dass dem Internet das Vergessen beigebracht werden müsste. Zu viele private und kompromittierende Daten schwirrten durch das Internet und brächten die Leute in Schwierigkeiten, etwa wenn Leute entlassen (oder gar nicht erst eingestellt werden), weil auf Facebook freizügige Fotos der letzten Beach-Party zu sehen sind. Dass Herr Mayer-Schönberger ein (angesehener) Jurist ist, der sich mit der Rechtsetzung im Bereich der Informationstechnologie befasst, erklärt, warum er gerne eine juristische Lösung mit „Verfalldaten“ einführen würde, an denen heikle Daten im Netz automatisch gelöscht werden sollen. Wäre Herr Mayer-Schönberger Archivar, Medienwissenschaftler oder Soziologe, würde er das Problem wohl aus einer anderen Warte betrachten und entsprechend zu einem anderen Schluss kommen. (mehr …)

Bild/ Code/ Speicher. Strategien des digitalen Erinnerns

iml-tagung

Aus Anlass des 60. Geburtstages von Prof. Rudolf Gschwind, Leiter des Imaging and Media Lab (IML) der Universtität Basel, führt das IML eine wissenschaftliche Tagung zum Thema «Bild, Code Speicher» durch.

«Die Tagung ‚Bild, Code, Speicher‘ reflektiert die Bedingungen, Methoden und Strategien des digitalen Erinnerns. Im Fokus stehen die digitale Langzeitarchivierung, die Alterung analoger Bildträger (auf die wir auch im digitalen Zeitalter angewiesen sind), deren Digitalisierung und die neuen Möglichkeiten der digitalen Restauration von Film und Fotografie. Die Sichtweise der technischen Machbarkeit wird jeweils durch Perspektiven der Museumspraxis und durch kulturwissenschaftliche Nutzerperspektiven ergänzt.» Schreibt Tagungsorganisator und hist.net-Blogger Elias Kreyenbühl.

Auch wr gratulieren Ruedi herzlich zum Geburtstag und freuen uns auf das schöne Programm!

Über die Nachhaltigkeit von Digitalisierungsprojekten und deren Bewirtschaftung

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Das National Endowment verkündet die Veröffentlichung einer neuen Studie zur Nachhaltigkeit von Digitalisierungsprojekten. Digitalisierungsprojekte haben ein intrinsisches Problem mit der Langlebigkeit. Nach dem Projektende ist kein Geld mehr vorhanden und niemand kümmert sich um Aktualisierung und Weiterentwicklung. Die Studie der Ithaka und der JISC fasst die Erfahrungen von zahlreichen Projekten aus Grossbitannien, USA und Deutschland zusammen, die dieser Gefahr mit unterschiedlichen Strategien begegnen. Diese „Geschäftsmodelle“ werden in der Studie vergleichend diskutiert. (mehr …)

Digitale Langzeitarchivierung – digital stewardship: state of the art 2009

archiving2009-logo

Die Community diskutiert seit langem die Probleme der digitalen Archivierung. Dieser Tage trifft sie sich in Washington D.C., um sich über die aktuellen Trends auszutauschen. Ich versuche gewisse Themen der Tagung hier im Blog aufzugreifen.
Während sich in den letzten Jahren Standards etabliert haben, werden heute nicht mehr die theoretische Modelle oder Methoden der Metadatenbeschreibung diskutiert, sondern es werden Erfahrungsberichte der praktischen Umsetzung und Geschäftsmodelle präsentiert. Es geht dieses Jahr nicht mehr darum, welches Speichersystem für die Langzeitarchivierung zu bevorzugen sei – digitale Langzeitarchivierung findet jetzt statt. Es gibt tatsächlich Institutionen und Länder, die dieses Problem bereits in den Griff bekommen haben.
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Archiv.digital im Museum für Kommunikation

Das Schweizerische Bundesarchiv sichert nicht nur Akten in Papierform, sondern auch Datenbanken, Bilder, Tondokumente und elektronische Akten mit – nach eigenen Angaben – einem Datenvolumen von 12 Millionen Megabyte. Die jährlich angelieferte Datenmenge steigt seit einiger Zeit stark an und es stellt sich für das Bundesarchiv die Frage, wie diese Datenmengen langfristig gespeichert werrden können.

In einer winzigen, im Wesentlichen aus einer Reihe von Computerterminals und einer Videoinstallation bestehenden Gastausstellung im Museum für Kommunikation in Bern thematisiert das Bundesarchiv dieses Thema noch bis am 30. November.
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Euro08 für die Ewigkeit

Dass die Schweizerische Nationalbibliothek nun wirklich ernst macht mit der Archivierung schweizerischer Webinhalte, zeigt ein schönes Beispiel, das heute annonciert wurde:

«Die EURO08 ist vorüber, der Champion steht fest. Auf dem Schweizer Web findet Google über drei Millionen Einträge über die Meisterschaft. Die Schweizerische Nationalbibliothek archiviert die wichtigsten dieser Webseiten. Auf alle Zeit. [..] Zum zweiten Mal hat die NB anlässlich der EURO08 ihr sogenanntes „Event Harvesting“ von wichtigen Websites durchgeführt; das erste erfolgte im Herbst 2007 anlässlich der eidgenössischen Wahlen.
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Noch einmal: «Dynamische Publikationen»

Wenn ich versuche, ein Fazit zu ziehen aus dem heutigen Gespräch in Bonn, dann scheint mir die wichtigste Erkenntnis zu sein, dass bisher sich noch niemand genau überlegt hat, was mit dem schönen Begriff «dynamische Publikationen» gemeint ist.

Ich sehe – nach diesem Tag, vorher war mir das auch nicht so klar – verschiedene Bereiche, die ich dazu zählen würde:

Zum einen sind es Websites, die relativ häufig aktualisiert werden, aber eine klare Struktur und in der Regel auch einen definierten Autor resp. Content-Lieferanten haben. Typischerweise sind das Webauftritte von Tageszeitungen, Newsportale etc. Wenn ich das richtig verstanden habe, dann war die Frage, wie man solche Seiten archivieren soll, der Auslöser der heutigen Veranstaltung und deshalb waren auch verschiedene Vertreter entsprechender Verlagshäuser (F.A.Z., Die Zeit u.a.) eingeladen worden. Bei diesen Seiten ist aber entscheidend, dass sehr viel Content von externen Sites zugespielt wird (Wetter, Börsendaten, zum Teil auch der journalistische Content …).

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Was sind eigentlich «dynamische Publikationen»?

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat zu einem Rundgespräch eingeladen, um das Thema Langzeitarchivierung von dynamischen Publikationen zu diskutieren. Viele Fragen, die sich da stellen: Was heisst Langzeitarchivierung? Was sind dynamische Publikationen? Und natürlich: Was ist ein Rundgespräch (was ein Rundtischgespräch ist, wissen wir, aber der Tisch hier in Bonn ist eben nicht rund …)?

Rund dreissig Vertreterinnen und Vertreter von Gedächtnisinstitutionen (so heisst das heute!) und aus der Wissenschaft (auch Gedächtnisinstitution, weiss nicht ….?) diskutieren, wie Archive und Bibliotheken mit der Archivierung von Web 2.0 umgehen sollen. Sinn und Zweck dieses Anlasses ist es, die verschiedenen Perspektiven an einem Tisch miteinander reden zu lassen. Die verschiedenen Seiten, das sind – neben Archiven und Bibliotheken – die Informatik und die Wissenschaft. Nicht anwesend sind Vertreter aus der Web 2.0-Szene, Alpha-Blogger zum Beispiel oder Exponenten der Wikipedia-Szene.

Wir werden demnächst auf einzelne Glanzlichter des Tages hinweisen, Literaturhinweise zur Eröffnungspräsentation gibt es hier.