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Einträge von jan hodel

Geschichte twittern?

Vor einigen Tagen habe ich mich kritisch über das Projekt eines englischen Junghistorikers geäussert, der den zweiten Weltkrieg mit Twitter-Nachrichten in “Realtime” nacherzählen will. In den verschiedenen Reaktionen kam auch die Bitte, Kriterien zu benennen, mit denen ein Einsatz von Twitter zur Darstellung historischer Sachverhalte beurteilt werden könnte. Nachdem Kollege Bernsen schon erste Überlegungen formuliert hat, folgt hier eine erste Annäherung meinerseits. (weiterlesen …)

Das wars knol


Gestern tickerte es durch den digitalen Äther: Knol, einst als ambitiöses Google-Projekt einer “besseren” Wikipedia gestartet (wir erinnern uns), wird in der vorliegenden Form Geschichte. (weiterlesen …)

“Der Zweite Weltkrieg auf Twitter” – muss das sein?


Ich setze mich nicht gerne dem Vorwurf aus, gegenüber experimentellen Nutzungen digitaler Medien nicht genügend aufgeschlossen zu sein. Aber das von Anna Gielas in der NZZ (dito von Telegraph, BBC und http://www.huffingtonpost.com/2011/11/14/real-time-world-war-ii-twitter_n_1093345.html) gelobte Projekt @RealTimeWWII eines 24-jährigen Oxford-Studenten namens Alwyn Collinson lässt mich nicht nur den Kopf schütteln, sondern – den Musen der Digital Humanities sei’s geklagt – regelrecht erschaudern. (weiterlesen …)

THATcamp – vorbei und vergessen?

THATcamp: Entscheidungsfindung an der Wandtafel

THATcamp: Entscheidungsfindung an der Wandtafel (Foto: ©Serge Noiret, siehe Fussnoten)


Vor etwas mehr als einer Woche ging das erste THATcamp in der Schweiz zu Ende. Die Stimmung am Ende der zweitägigen Veranstaltung war aufgeräumt und locker. Doch was bleibt von dieser Tagung haften – nebst der (hier und hier) bereits ausführlich analysierten Benennung der Geschlechterproblematik in den Digital Humanities? Hat sich das Format der “unconference” bewährt? Sind neue Themen und Probleme benannt und angesprochen worden, oder gab es neue Erkenntnisse zu altvertrauten Fragestellungen? Oder war das THATcamp vor allem eine gute Gelegenheit, um alte Bekanntschaften zu pflegen und neue zu knüpfen? Wie immer die von individuellen Erwartungen und Erlebnissen geprägte Antwort ausfällt: die Stärke des THATcamp liegt im inhärenten Versprechen, dass eine Wiederholung zur Verstetigung des Austausches innerhalb der Gemeinschaft führen kann.

Das Format des THATcamp zeigte meines Erachtens Stärken und Schwächen einer solchen “unconference”. (weiterlesen …)

Thatcamp Switzerland 2011


Wer sich auf dem Laufenden halten möchte darüber, was im THATcamp 2011 in Lausanne vor sich geht, wird bei Mills Kelly bestens bedient – unser Kollege schreibt nicht nur regelmässig darüber, was hier passiert: Seine Session wurde gerade von zwei streitbaren Damen «besetzt». Eva Pfanzelter und Mareike König widmen die Session um zu einer Diskussion über die Rolle von Frauen in Social Media. Zwei (von 25) Teilnehmenden verlassen den Saal, hier die Zusammenfassung der lebhaften Diskussion aus Sicht des «ausgebooteten» Mills Kelly. To be continued… hier oder anderswo.
Wer die Twitter Wall konsultieren möchte, der findet Informationen unter dem Hash-Tag #tcch.

«Geschichtsblog» – Geschichtsblog des Monats Juni 2011

Der Geschichtsblog des Junghistorikers Stefan Sasse verbindet auf interessante und bemerkenswerte Weise die moderne mediale Form des Weblogs mit der traditionellen, fast schon verblichenen Form der Geschichtserzählung. Sasse selbst bezeichnet seine Stücke als “journalistische und schriftstellerische” und nicht wissenschaftliche Texte, die eine “essayistische Form” haben. Doch die Beiträge gleichen eher Texten, wie sie aus historischen Sach- oder Schulbüchern bekannt sind: Sie schildern und erläutern historische Abläufe und verzichten dabei auf einen kritischen Apparat, wenn man von summarischen Literaturhinweisen am Textende absieht.
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«Jefe» Franco? Wie krass ist das denn?

Von der Empörung, die das Erscheinen des spanischen biographischen Lexikon in der spanischen Öffentlichkeit ausgelöst hat, erfahren wir dank Kollege Eisenmengers Sprachkompetenz in seinem ausführlichen Berichts. Im besagten Lexikon, das eben erschienen ist, wird Francisco Franco als “Generalisimo e jefe del Estado español” bezeichnet, ja, fast gefeiert (PDF-Auszug: hier). Dass die Verfolgungen politischer Gegner nicht nur geschönt, sondern verschwiegen werden, versteht sich da schon fast von selbst. (weiterlesen …)

Multitaskende – aufgepasst!

Mit dem Hinweis auf den schönen Artikel von Anja Schulthess, die in der NZZ die wissenschaftlichen Erkenntnisse und Meinungen zu den Risiken des bildschirmgestützten und internetbasierten Multitasking während Hochschullehrveranstaltungen zusammenfasst, entbieten wir – pünktlich zu Beginn der ersten Vorlesung des Tages – unsere besten Grüsse an alle Studierenden, Professor/innen und wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen (sowie alle anderen geneigten Leser/innen), die gerade in einer Lehrveranstaltung oder einer Sitzung den Laptop/das iPhone/iPad/internetfähiges Mobilkommunikationsgerät vor sich haben und schnell mal checken wollen, was da Neues bei weblog.hist.net zu finden sei, und empfehlen (weiterlesen …)

Geschichts-Ausstellung-Hörspiel-Theater 2.0

Eine Theater-Truppe, die sich Rimini Protokoll nennt, hat in Zusammenarbeit mit dem Hebbel-Theater und im Auftrag der Redaktion Deutschlandradio Kultur (im Rahmen des Projekts Radioortung) in Berlin eine Produktion mit dem Titel “50 Aktenkilometer – ein begehbares Stasi-Hörspiel” entwickelt. (weiterlesen …)

«Suchmaschinen» avant la lettre?


Ausschnitt aus Illustration “Kapitän Nemo nimmt den Höhenstand der Sonne auf”1

Interessant, was ich bei der Lektüre von Jules Vernes “20 000 Meilen unter dem Meer” entdecke:

Der Kapitän Nemo, ohne mir zu antworten, winkte mir, ihm in den großen Saal zu folgen. Der Nautilus tauchte einige Meter unter das Wasser, und die Läden öffneten sich. Ich eilte an das Fenster, und erkannte unter Korallen versenkt, mit Seepflanzen überdeckt, mitten unter zahllosen reizenden Fischen, etliche Trümmer, welche die Suchmaschinen nicht hatten fassen können, lauter Gegenstände gescheiterter Schiffe.2

Suchmaschinen? Ist Jules Verne also nicht nur das Erdenken elektrisch betriebener U-Boote und der Mondfahrt zuzuschreiben, hat der berühmteste Science-Fiction-Autor der Grande Nation auch das Internet vorhergesagt? (weiterlesen …)

  1. Jules Verne: Zwanzigtausend Meilen unter’m Meer. Bekannte und unbekannte Welten. Abenteuerliche Reisen von Julius Verne, Band IV–V, Wien, Pest, Leipzig 1874, S.112, verfügbar bei WikiCommons (http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:JulesVerneNemo.jpg&filetimestamp=20110213025900). []
  2. Verne, Jules: Zwanzigtausend Meilen unter’m Meer. Bekannte und unbekannte Welten. Abenteuerliche Reisen von Julius Verne, Band IV–V, Wien, Pest, Leipzig 1874, S. 163-164; zitiert nach Zeno.org (http://www.zeno.org/Literatur/M/Verne,+Jules/Romane/Zwanzigtausend+Meilen+unter%27m+Meer/1.+Theil/19.+Capitel). []
 

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