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Nachrichtendienst für Historiker: Geschichtsblog des Monats Juni 2010

In dieser Rubrik haben wir immer wieder mit entsprechenden Beispielen darauf hingewiesen, wie viele Anwendungsmöglichkeiten das Format des Weblog eröffnet. So bietet seit letztem September der (mittlerweile etwas irreführend betitetelte) „Nachrichtendienst für Historiker“ (NFH) eine (Online-)Presseschau aus dem Webauftritt von über 30 verschiedenen Publikumszeitschriften (und einigen Radio- und Fernsehsendern) im Weblog-Format an.

Hinter dem NFH steht die res-media GmbH mit Sitz in Augsburg und insbesondere Tobias Berg, der den NFH bereits 1995 gegründet und seine Ausrichtung immer mal ein wenig geändert hat (wie man dem Archive.org-Snapshot vom Juni 2002 entnehmen kann). Seit der Umstellung auf das Weblog-Format konzentriert sich der NFH ganz auf die Zusammenstellung von Medienberichten, die im engeren oder weiteren Sinne Themen der Geschichte behandeln. Die Einträge beschränken sich auf den Titel des Originalbeitrages und einer einzeiligen Kurzbeschreibung des Inhalts und reichen von tagesaktuellen, „vermischten“ Meldungen wie „New Yorker Jude kauft Tagebuch von KZ-Arzt Mengele: «Darf nicht in falsche Hände geraten»“ in der Bild-Zeitung über längere Darstellungen wie die „Geschichte der Galeeren: Hölle auf Wellen“ in der Zeit bis zu Berichten der FAZ, die sich aus aktuellem Anlass beispielsweise mit dem Thema „60 Jahre Korea-Krieg: Tod am 38. Breitengrad“ befassen.

Auch wenn der NFH betont, dass die Presseschau von Hand erstellt wird, so darf davon ausgegangen werden, dass die Redaktion hier auf automatisierte Unterstützung wie Google Alerts und ähnlichen Hilfsmittel zurückgreift, um den digitalen Blätterwald nach passenden Beiträgen zu durchforsten. Was dann tatsächlich und aufgrund welcher Kriterien den Eingang in die Presse-Auswahl schafft, bleibt den Leser/innen, die eine eingehendere vergleichende Analyse der Einträge nicht leisten können oder wollen, leider verschlossen. Die Seite, die den NFH, seine Zielsetzung, Auswahlkriterien und Mitarbeitenden vorstellen sollte oder könnte, ist nämlich leer.

Der NFH hat nicht den Anspruch, der Wissenschaftskommunikation im historischen Feld zu dienen. Hier bleibt H-Soz-Kult (die bislang vom Weblog-Format scheinbar nichts wissen wollen) erste Wahl. Dafür bietet der NFH einen schönen Überblick über die historischen Themen, die in den Publikumsmedien Eingang finden, und damit eine gute Grundlage für eine geschichtskulturelle Analyse historischer Trends.

Eckdaten

Titel: Nachrichtendienst für Historiker NFH
URL: http://www.nfhdata.de/
Feed: http://www.nfhdata.de/feed/rss/
Autor (bzw. Redakteur): Tobias Berg
Region: D
Frequenz: täglich

2 Kommentare auf “Nachrichtendienst für Historiker: Geschichtsblog des Monats Juni 2010”

  1. weblog.histnet.ch » Blog Archive » Was ist ein Weblog? meint:

    […] vermute, beim Geschichtsblog des Monats, den Kollega Hodel heute vorgestellt hat, müsste es im Text heissen, «dass die Presseschau von Hand erstellt wird» und genau nicht, […]

  2. Jan Hodel meint:

    Sinnentstellender Tippfehler wurde korrigiert. Der Satz „Auch wenn der NFH betont, dass die Presseschau nicht von Hand erstellt wird“ wurde verändert in „Auch wenn der NFH betont, dass die Presseschau von Hand erstellt wird“.

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