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Zwei Beiträge zur historischen Quellenkritik anhand digitaler Daten

perspektivenwechsel

Obwohl es in diesem Blog ausgewiesene Fachexperten gibt, die auf diesem Gebiet regelmässig publizieren, möchte ich hier zwei Bücher zum Thema kurz vorstellen.

Das erste Buch ist 2009 als Band 2 der Kölner Beiträge zu einer geisteswissenschaftlichen Fachinformatik erschienen und das andere wurde 2004 von der KNAW (Koninklijke Nederlandse Akademie van Wetenschappen) als PDF veröffentlicht.

Zum ersten Buch: Simon Margulies (ehemals IML) befasst sich in seiner Dissertation mit der Frage, was ein Historiker wissen muss, um seine Kernkompetenz, die Quellenkritik, an digitalen Daten auszuüben. Margulies versucht dabei als Historiker und Programmierer zwischen der Welt der Informatiker und derjenigen der Historiker zu vermitteln. Er schildert im ersten Kapitel wie es zu digitalen Daten kommt und erklärt die Konzepte der Ablagesysteme: relationale Datenbanken und objektorientierte Systeme. Das zweite Kapitel widmet er der Quellensuche, vermeidet auf zu rasch veraltete Suchmaschinen einzugehen und erklärt statt dessen wie der Informationsraum aufgebaut ist. Damit ermöglicht das Kapitel ein Verständnis dafür, warum etwas gefunden werden kann und etwas anderes unauffindbar bleibt. Im dritten Kapitel wird eine historische Quellenkritik an digitalen Daten skizziert. Margulies geht dort auf die Problematik der Authentizität digitaler Daten und deren Archivierung ein.

Mein zweites Buch, das ich hier vorstellen möchte, ist ein Klassiker aus 2004. „Past, present and future of historical information science“ von Onno Boonstra, Leen Breure und Peter Doorn beschreibt die frühen Versuche den Computer zur Auswertung historischer Daten zu gebrauchen, den Jetztzustand und einen Ausblick auf morgen. Die Autoren beschreiben darin auch den „life cycle of historical information“ und entwerfend die Fähigkeiten und Arbeitsweisen von künftigen Historikern. Dabei weisen Sie einen Weg, wie Historiker diese „e-Kompetenzen“ erwerben könnten. Gerade dies ist das Hauptanliegen von meinem ersten Buch, das den Perspektivenwechsel vom Informatiker zum Historiker (und in wenigen Fällen auch umgekehrt) erleichtern will.

Past-present-and-future-of-historical-information-science-1

Die Ironie der Geschichte will, dass das viel gelobte Opus auf dem Server der „Data Archiving and Network Services“ zur Zeit nicht mehr verfügbar ist.

2 Kommentare auf “Zwei Beiträge zur historischen Quellenkritik anhand digitaler Daten”

  1. f_dt meint:

    Wie gut, dass das Internet zur Redundanz neigt: Auf den Seiten der Uni-Köln ist die – an anderer Stelle bereits „vergriffene“ – Ausgabe aus dem Jahr 2004 noch zu haben.

    http://hsr-trans.zhsf.uni-koeln.de/hsrretro/docs/artikel/hsr/hsr2004_614.pdf

    Auch wenn die „Ironie der Geschichte“ in diesem Fall wirklich gut ist 😉

  2. Peter Haber meint:

    Der etwas seltsame Link funktioniert wieder.

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